Halbjahresrückblick 2026: Woran die Anlaufstelle gearbeitet hat
Die Gruppen sind grösser geworden, Gesundheitsförderung Schweiz hat "Amal-Hoffnung stärken" ausgewählt, und die Evaluation liegt bei den Ostschweizer Kantonen.

Die Angebote der Anlaufstelle sind im ersten Halbjahr weitergelaufen, und die Gruppen sind grösser geworden. Damit die Frauen in Ruhe über ihre Sorgen und Probleme sprechen können, haben wir für einen Nachmittag eine Betreuerin für die Kinder engagiert. Eine kleine organisatorische Änderung, die darüber entscheidet, ob ein Gespräch ganz stattfindet oder nur halb.
Unsere Räume sind von Montag bis Donnerstag jeden Nachmittag besetzt, jede zweite Woche auch am Freitagabend. An den Vormittagen und am Freitag finden oft Einzelberatungen statt. Die gemeinsamen Aktivitäten der Frauen aus verschiedenen Communitys organisieren und begleiten unsere Mitarbeiterinnen. Diese Community-Arbeit ist der Weg, über den wir mit den Familien in Verbindung kommen und eine Vertrauensbasis aufbauen.
“Amal-Hoffnung stärken”
Im Januar 2026 haben wir bei Gesundheitsförderung Schweiz das Projekt “Amal-Hoffnung stärken” eingereicht. Es schliesst eine Versorgungslücke: die psychische Gesundheit junger Frauen mit FGM/C. Die stellvertretende Leiterin der Anlaufstelle ist Psychologin und leitet das Projekt fachlich.
Unser Projekt gehört zu den ausgewählten Projekten von Gesundheitsförderung Schweiz. Es wird nun mit anderen Vorhaben zur psychischen Gesundheit junger Menschen zusammengeführt und startet spätestens ab 2028 in die konkrete Projektphase. Gesundheitsförderung Schweiz unterstützt die Übergangsphase und die anschliessende Projektphase finanziell.
Die Evaluation für die Kantone
Der Kanton St.Gallen hat vom Verein verlangt, die bisherige Tätigkeit zu evaluieren, den Bedarf an Leistungen zu klären und eine Fundraisingstrategie für die nächsten Jahre zu erstellen. Beauftragt wurde die Sevosana GmbH. Der Bericht liegt dem Kanton St.Gallen sowie den Kantonen Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden und Thurgau vor und dient als Basis für künftige Leistungsvereinbarungen.
Das Angebot wird sehr geschätzt, und Fachpersonen aus verschiedenen Bereichen stufen die Arbeit als sehr wichtig ein. Für die Verhandlungen der kommenden Jahre ist das die Grundlage, auf der wir stehen.
Buchvernissage am 6. Februar
Am internationalen Tag gegen Mädchenbeschneidung haben wir im Katharinensaal St.Gallen das Buch “Ist es ein Verbrechen, ein Mädchen zu sein?” von Warsame Ahmed Amalie präsentiert. Der Autor und seine Frau Beate lasen, musikalisch umrahmt vom somalischen Musiker Abdi Baadil. Das Buch erzählt die Geschichten von vier Frauen, die sich trotz aller Schwierigkeiten gegen frauenfeindliche Praktiken und Unterdrückung auflehnen.

Im Anschluss sang Bella Glinski auf Somali das Lied “Mein Versprechen”, das der Autor für sie geschrieben und Abdi Baadil vertont hat:
Solange ich aber NEIN sagen kann,
solange ich hören und sehen kann
und mein Geist die Kraft hat,
werde ich nicht zulassen,
dass diese scharfe Klinge die Körper
von Ayaan und deren Freundinnen berührt
und sie vor Schmerz schreien.
Das Lied hat beim Publikum eine grosse Betroffenheit ausgelöst. Der Anlass war gut besucht, und wir konnten neue Mitglieder gewinnen. Das Buch können Sie für CHF 20.00 bei der AgM kaufen.
8. März, Altstätten, Fest der Kulturen

Am Internationalen Frauentag hat das Komitee 8. März St.Gallen mit Unterstützung des Kantons St.Gallen, der Politischen Frauengruppe pfg, der Bildungsgemeinschaft St.Gallen und der Feministischen Juristinnen Ostschweiz eine Veranstaltung zum Thema FGM/C im Palace St.Gallen organisiert. Film und Podium sind in einem eigenen Beitrag festgehalten: Gemeinsam gegen FGM: Rückblick auf den Internationalen Frauentag 2026. Solche öffentlichen Momente öffnen uns Türen zu unterschiedlichen Gruppen.
Ebenfalls im März hat uns die HEKS-Rechtsberatung ins Bundesasylzentrum Altstätten eingeladen. Wir haben die Mitarbeitenden über FGM/C und den Umgang mit Betroffenen informiert. Je besser die Zusammenarbeit mit den Asylzentren, desto schneller finden betroffene Frauen den Weg zu unserer Anlaufstelle.
Am Fest der Kulturen, dem interkulturellen Begegnungstag in St.Gallen, hatten wir erneut einen Stand mit Informationsmaterial. Frauen der eritreischen Community flochten Kindern und Frauen Zöpfe, selbst hergestellte Produkte wurden verkauft, afghanisches sowie iranisches Gebäck ging an die Gäste. Zwischen Zöpfen und Gebäck entstehen Gespräche, die an einem Informationsstand allein nicht entstehen.

Stand am Begegnungstag 2026
Grundlage dieses Beitrags ist der Zwischenbericht Januar bis Juni 2026 von Yvonne Blättler-Göldi (Vorstandsmitglied Ressort Finanzen) und Chantale Beusch (Co-Präsidentin).

